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T-Shirt

Betonbarrieren, Version 03, Bozen

Betonabsperrungen, die Feste und Veranstaltungen gegen mögliche Terrorattacken sicherer machen sollen, gehören heute (leider) schon zum Straßenbild. Vorschriftsgemäß fährt in diesem Zusammenhang auch die Stadtgemeinde Bozen die Sicherheitsmaßnahmen hoch und rüstet mit Betonfertigteilen vom Typ New Jersey — wie sie gemeinhin auch als Mittelabsicherung im Straßenverkehr verwendet werden — auf.
Den geladenen Auftrag zu einer attraktiveren Gestaltung dieser Elemente löst Manfred Alois Mayr in der für ihn typischen Art, die sich eine Idee von den Dingen und ihrer Beziehung zu den Menschen verschaffen will. In diesem Zusammenhang verweigert der Künstler vordergründige künstlerische Gesten im Sinne einer Dekoration, einer Entfremdung oder auch eines Manifests. Sein Interesse gilt vielmehr der Ausdrucksqualität der Betonteile selbst und deren Beziehung (formal, funktional, politisch) mit dem Ort und dem Code der Situation, dem öffentlichen und urbanen Verkehrsraum. Das bedeutet für ihn eine Position einzunehmen, die konsequent „den Dialekt der Straße“ (Manfred Alois Mayr) spricht, d.h. für alle verständlich ist und auf ein vertrautes ortsbezogenes Vokabular setzt, dem der Verkehrsordnung. Aus dieser Absicht heraus entwirft der Künstler für die Betonfertigteile eine Auswahl an Musterstücken in der Art einer „Kollektion“ aus einem Sortiment an industriell hergestellten Dingen zur Sicherheit im Straßenverkehr wie Warnleuchten, Verkehrsschilder und diverses Reflektormaterial, das er zu Mustern arrangiert und den Betonteilen überzieht wie ein „T-Shirt“. Indem sich Manfred Alois Mayr auf das Motiv selbst konzentriert (anstatt auf die Motivation) und sich weigert, den Bollwerken ein größeres Potential zuzusprechen als das was sie sind, nämlich funktionale Elemente im Straßenraum, widersetzt er sich umso mehr einer manifesten Fixierung und Assoziation an den Terror in unseren Köpfen und damit dem, was die Verursacher bezwecken wollen.
Das Ergebnis der thematischen Musterkollektion sind selbstreferentielle Setzungen, die sich selbstverständlich und objektiv in das Straßenbild und die alltägliche Mobilität der Menschen einfügen. Außerdem sind die Objekte immer wieder leicht auf- und abzubauen, können beliebig wiederverwendet werden und kehren in dieser ungewöhnlichen Akkumulation mit subtilem Humor deren ästhetische Qualität hervor. Das verwendete Material aus Verkehrsschildern und Reflektoren verlangt — auch in einem metaphorischen Sinn — geradezu nach Bewegung und Weitergehen, letztendlich die beste Form der Abwehr des bösen Blicks, den — wie Manfred Alois Mayr sagt — die Reflektoren wie Spiegel zurückwerfen.

Marion Piffer Damiani









Foto: Archiv M. A. Mayr


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